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Märchen

- abgeleitet von: mittelhochdeutsch Maere = „Kunde, Bericht, Nachricht, Botschaft“

- im althochdeutschem ist es als Substantiv nicht bekannt, wohl aber als Adjektiv, "mari", was soviel wie berühmt bedeutet. Geblieben sind uns davon die Rufnamen, welche auf "mar" enden, Dagmar; Dietmar,Waldemar ...


Eine Mähre ist also ursprünglich eine wahre, wohl interessante Geschichte oder Mitteilung.
Luther benutzte den Begriff "gute neue Mähr"für die Verkündigung der "Frohen Botschaft" von der Geburt Christi , der Geburt des Erlösers.
Mit den Verkleinerungssilben "chen" und "lein" entsteht jedoch eine andere Bedeutung.
Hier verliert der Begriff den Wahrheitsanspruch, er wird zu einer kleinen, unwahrscheinlichen Geschichte.

Märchen gehören zur Literaturgattung der Epik. Es handelt sich dabei um kürzere Erzählungen, die von fabelhaften und wunderbaren Begebenheiten berichten, welche frei erfunden sind und keine wirkliche Begebenheiten als Grundlage haben.
Man findet sie zu allen Zeiten und bei allen Völkern dieser Welt.
In den Literaturwissenschaften wird zwischen Volksmärchen und Literaturmärchen (auch Autorenmärchen oder Kunstmärchen genannt) unterschieden.

Volksmärchen

Bei einem Volksmärchen lässt sich kein bestimmter Urheber feststellen.
Hier war über lange Zeit die mündliche Weitergabe die Form der Überlieferung (auch oral tradition genannt).
Jedoch hat seit Beginn der schriftlichen Fixierung diese die mündliche Erzählweise beeinflußt, denn schon im Mittelalter wurden Märchen aus verschiedenen Gründen schriftlich festgehalten. Das Geschriebene fand so Eingang in die Literatur und kehrten dann gelesen wieder zurück zur mündlichen Überlieferungsform.
Das Volksmärchen besitzt wegen seiner mündlichen Erzähltradition keine konstante Form, es tritt in zahlreichen und sehr unterschiedlichen Varianten auf.
Diese Varianten kennzeichnet die Grundstruktur der Erzählung, d. h. Thema und Ablauf der Handlung werden in ihren charakteristischen Zügen beibehalten.
Je älter und weiter verbreitet ein Märchen ist, desto größer sind die Abweichungen der Variationen voneinander.

Mit der Erfindung des Buchdruckes begann sich die schriftliche Verbreitung der Märchen durchzusetzen und mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht und den durch die industrielle Revolution veränderten Lebensbedingungen breiter Schichten der Bevölkerung wurde zwangsläufig das Lesen der Märchen die herrschende Form der Weitergabe. Dadurch erfuhr das Erzählgut keine Variationen mehr durch den Erzähler.Jeder weitere Zuwachs schriftlich festgehaltener Märchen gehört in die folgende Kategorie:

Literaturmärchen (Autorenmärchen) oder Kunstmärchen

Bei den sog. Kunstmärchen handelt es sich um bewusste Schöpfungen von Dichtern und Schriftstellern. Deshalb bevorzuge ich auch die Begriffe Literaturmärchen oder Autorenmärchen.
Entweder greifen diese Märchen Motive der Volksmärchentradition auf, oder es werden neuartige fantastische Wundergeschichten erfunden, die durch den Aspekt des Wunderbaren und Unwirklichen mit dem Volksmärchen verbunden bleiben.
Ihr Inhalt wird überwiegend durch die Weltanschauung und die Ideen einer individuellen Person getragen und unterliegt den Einflüssen der Literaturströmung, welcher der Autor folgt.
In der Epoche der Romantik erreichte das Kunstmärchen einen frühen Höhepunkt und erhielt entscheidende Impulse für seine weitere Entwicklung.
In der Frühromantik lag der Akzent auf sehr künstlichen Schöpfungen, die die Grenzen der herkömmlichen Märchen hinter sich ließen und sich somit dem unbefangenen Märchenleser nicht mehr so leicht erschlossen.
Das änderte sich jedoch wieder mit den Dichtern der Spätromantik, die den einfachen Märchenton bevorzugten.
Im weitesten Sinne zu den Kunstmärchen können auch die in neuerer Zeit entstandenen
Fantasy-Geschichten gerechnet werden.

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