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Odin

Eine Seite über „Nordische Mythologie“, wer jetzt Germanenkult erwartet, wird enttäuscht werden, aber wer ein stilles Interesse  an der Lebensweise, den Riten und Mythen der vorchristlichen und frühchristlichen Zeit im Norden Europas hat und daran, woher wir die Kenntnis davon haben,der findet hier vielleicht einiges bedenkenswerte.


Von der nordgermanische Götter-, Helden- und Schöpfungsmythologie erfahren wir über die ältere Edda (Lieder-Edda) und die jüngere Edda (Prosa-Edda oder Snorra-Edda).

ältere und jüngere Edda in einer Übersetzung von Karl Simrock


Dabei muss bedacht werden, dass diese Zeugnisse erst nach der Christianisierung entstanden sind und somit von der klosterlicher Bildung des Schreibenden ( also vom Studium altgriechischer und lateinischer Schriften) und von seinem christlichem Glauben beeinflusst sind. 
Sie wurden erst im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit einem Überblick der isländischen Geschichte aufgeschrieben und können deshalb keineswegs als gelebten Volksglauben der Zeit verstanden werden, eher als eine ferne Erinnerung daran, die hier und da eine andere Färbung bekommen hatte, weil  beim christlichen Verfasser
Missverständnisse über mythische Vorstellungen und Zusammenhänge bestanden.

 


Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Lieder–Edda  heidnische Tradition wiedergibt, weil die Darstellung der Götter keinen Bezug zum Christentum, auch nicht zu christlicher Moral wiedergeben.
Außerdem betont Snorri selbst den scharfen Unterschied zwischen dem, was er niederschreibt und dem Christentum:

„En ekki er at gleyma eða ósanna svá þessar frásagnir at taka ór skáldskapinum
fornar kenningar, þær er höfuðskáld hafa sér líka látit. En eigi skulu kristnir menn trúa á
heiðin goð ok eigi á sannyndi þessa sagna annan veg
en svá sem hér finnst í upphafi bókar.“

Die hier erzählten Sagen dürfen nicht vergessen oder Lügen gestraft werden,
indem man aus der Dichtkunst die alten Umschreibungen verbannt, an welchen
die Klassiker Gefallen gefunden haben. Doch sollen Christenmenschen nicht an
die heidnischen Götter und nicht an die Wahrheit dieser Sagen auf andere
Weise glauben, als so, wie es im Anfang dieses Buches zu lesen ist..


Snorri verstand also seine Überlieferung als echt heidnisch und für Christen nicht ungefährlich.
Ein Einfluss lässt sich insbesondere für die Einrichtung von „Tempeln“ vermuten, die in lateinischen Texten erwähnt werden. Denn es gibt kein entsprechendes Wort für das lateinische Wort templum in Norrøna, und es sind auch nicht die leisesten archäologischen Spuren heidnischer Gotteshäuser gefunden worden. Daher lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, welchen Gegenstand die Verfasser mit dem Ausdruck templum belegt haben. Alles spricht für einen Opferkult unter freiem Himmel mit Gelage im Wohnhaus des Goden. Allerdings sind für das Festgelage auch große Hallen nachgewiesen (z. B. Borg auf den Lofoten mit 74 m Länge, Gudme auf Fünen und Lejre auf Seeland mit 47 m). Auch die Ortsnamen auf -hov deuten auf solche zentralen Kultstätten hin.
Nach allem, was man weiß dürfte der Gebäude-Tempel in Uppåkra eine Ausnahme gewesen sein. Der Glaube im Volk über die Seelen der Verstorbenen und die Naturereignisse entspricht im wesentlichen dem, was in ganz Europa geglaubt wurde, was auch durch den übereinstimmenden Volksglauben in jüngerer Zeit und auch die ähnliche Nomenklatur für Alben, Zwerge, Nachtmare, Wichtel und Nöck bestätigt wird.
Nachrichten über solche Gemeinsamkeiten im Glauben der frühen germanischen Zeit finden sich in dem gemeinsamen Zug, über Bäume und Flüsse hinaus auch die Sonne, den Mond und das Feuer zu verehren. Eine systematische Mythologie, die dem Volksglauben zu Grunde liegt, lässt sich aus den Quellen aber nicht entwickeln.
Die Traditionen waren auch nicht einheitlich. So schreibt Snorri z. B. in Gylfaginning über Odin:

Ok fyrir því má hann heita Alföðr, at hann er faðir allra goðanna ok manna ok alls þess,
er af honum ok hans krafti var fullgert. Jörðin var dóttir hans ok kona hans.“

„Allvater kann er heißen, weil er Vater ist aller Götter und Menschen und alles dessen,
was durch ihn und seine Macht geschaffen worden ist. Jörð (Erde) war also seine Tochter und seine Frau.


und kurz darauf:

Nörfi eða Narfi hét jötunn, er byggði í Jötunheimum. Hann átti dóttur, er Nótt hét. ... Því næst var hon gift þeim,
er Ánarr hét. Jörð hét þeira dóttir.“

„Nörfi oder Narfi hieß ein Riese, der in Riesenheim hauste. Er hatt eine Tochter namens Nacht ... In zweiter Ehe
war sie verheiratet mit einem, der Ánnar hieß. Jörð (Erde) hieß ihre Tochter.


Hier hat Snorri also zwei unterschiedliche Traditionen über die Eltern von Jörð unverbunden nebeneinander gestellt. Auch stehen ein vertikales Weltbild mit Göttern im Himmel und ein horizontales Weltbild mit dem Wohnsitz der Götter im Mittelpunkt der Erdscheibe nebeneinander. Baldur wohnt in Breiðablik, Njörd in Noatún und Freya in Folkwang, alle im Himmel lokalisiert. Andererseits heißt es, dass die Asen eine Burg Asgard mitten in der Welt bauten und dort wohnten. Es wird sowohl vertreten, dass beides unterschiedliche heidnische Traditionen seien, als auch, dass das vertikale Weltbild einen christlichen Einfluss wiederspiegle.

zu den germanischen Göttern hier

 


Wie der Vortrag von Götter- und Heldenmythen in Versform  auf die Hörenden wirken musste, kann man sich vielleicht vorstellen, wenn man versucht, sich in diese Zeit hineinzuversetzen. Leben in einer überschaubaren Gemeinschaft, geprägt von täglichen Arbeitsabläufen und  ab und an kommt jemand und erzählt so wohltönend interessantes...

Wie wichtig diese Erlebnisse für die Menschen waren, zeigt sich schon darin, wieviele der Götter und Göttinnen auch mit der Dichtkunst in Verbindung gebracht wurden.

hier ein Beispiel mit Klangprobe

 


 

 

 

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