
Als Kind von Caroline Bechstein, einer Beamtentochter aus Altenburg und des französischen Emigranten Louis Hubert Dupontreau aus Fontenay-le-Comte in der Vendée kam Ludwig am 24. November 1801 in Weimar zur Welt und ist daselbst tags drauf auf den Namen Louis Clairant Hubert Dupontreau getauft worden. Die mittellose Mutter gab den Säugling in Pflege zu der bereits 63 Jahre alten Witwe Marie Elisabeth Wertheimer und ihrer unverheirateten 34-jährigen Tochter Friederike. 9 Jahre lebte der kleine Junge Louis nun so recht und schlecht in „Miethlingshänden“.
Erlösung aus diesem freudlosen und traurigen Kindheitsdasein nahte 1810, als der Gründer und Leiter der Forstakademie in Dreißigacker, Kammerrat Johann Matthäus Bechstein ihn an Kindes statt annahm. Ludwig wechselte nun von dem Weimarer Gymnasium an das eine dreiviertel Wegstunde entfernte in der Residenzstadt Meiningen gelegene Lyzeum. Ein guter Schüler ist Ludwig gewesen, nur ein bißchen faul und seine Lehrer beklagten sich manchmal darüber beim alten Forstrat. Anstatt zu lernen streifte Ludwig durch Wald und Flur seiner Umgebung, strich mit seinem Untermaßfelder Schulfreund Jahn durch die alte Wasserburg Untermaßfeld. Auch die geheimnisvollen Räume der Apotheke sind oft das Ziel der Unternehmungen beider Jungen gewesen, denn Vater Jahn war Apotheker. Die Faulheit verdroß den alten Forstrat Bechstein aber manchmal so sehr, daß er den Knaben als Strafe zum Stubenarrest in der Gesindestube verdonnerte. Hier erzählte der Kutscher Mönch dem phantasiebegabten Kind z. B. das Märchen vom Hörselberg. Daneben las Ludwig Räuber- und Ritterromane von C. G. Cramer, einem Lehrer an der Forstakademie, dessen Sohn wiederum ein Schulfreund von Ludwig war. Auch das geistige Umfeld der Schule, die vielen angehenden Akademiker wirkten sehr befruchtend auf die künstlerische und geistige Entwicklung des jungen Bechstein. In diese Dreißigackerer Zeit fallen die ersten dichterischen Versuche, so zur Konfirmation. Ein Spottgedicht auf die Schule und ihre Lehrer veranlaßten den Pflegevater, Ludwig, von der Schule zu nehmen, bevor dieser das Abitur abgelegt hatte. Was nun lernen? Den Jungen für die Naturwissenschaften zu interessieren, schlug fehl, was dem alten Forstrat mißfiel.
So wanderte Bechstein von Dreißigacker in das kleine thüringische Städtchen Arnstadt, um als Lehrling in die Kühnsche Apotheke einzutreten. Die Ausbildung enttäuschte ihn, denn anstatt Experimente zu machen, mußte er die Apotheke fegen, die vielen Kupferkessel, Mensuren und andere Gefäße schrubben, alles in allem untergeordnete Arbeiten. Nach der Eingewöhnung fing der Lehrling wieder mit dem Dichten an, lernte ein junges Mädchen namens Dorothea Rosamunde kennen. Durch sein geselliges Wesen scharte er schnell einen großen Freundeskreis zum Wandern um sich. Auch mancher Ball und viele Kneipen in und um Arnstadt sind besucht worden. Nach Abschluß der Lehre blieb der „Geselle“ Bechstein noch zwei Jahre in Arnstadt. In diese Zeit fällt die Veröffentlichung seines ersten größeren Werkes, die „Thüringischen Volksmährchen“, erschienen auf Wunsch der Verwandten unter dem Pseudonym C. Bechstein.
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