Menü





Erzählen im Rhythmus der Lemniskate*

 © Bettina Buske

 

Was verbirgt sich hinter diesem Titel, was soll man unter solch einer Erzählweise verstehen?

Fangen wir mit dem Begriff Lemniskate an. Vielleicht ist er manchen von Ihnen aus der Mathematik bekannt,
die Lemniskate von Bernoull, die hier abgebildet ist. Oder sie wissen, dass diese „liegende Acht“ das Symbol für die Unendlichkeit, für die Unbegrenztheit  und für die Vollendung
ist
Die Lemniskate ist die symbolische Darstellung der Gegensätze, die von Irrungen befreit ein Ganzes geben.
„Entdreht“ wird die Lemniskate zur Ellipse.
Die Lemniskate ist das Symbol, mitdem sich die Menschen früherer Kulturen Lebens- und Welterfahrung anschaubar machten. Sie ist das Symbol für die Dualität, die in und aus der Einheit entstand.
Sie ist auch ein Symbol des ewigen Kreislaufs, des auf und ab, durch dessen Rhythmus Schwingung erzeugt wird. Die Lemniskate steht für die Erfahrung, dass alles Leben in unendlicher Bewegung, in Schwingung ist, die alle Lebensvollzüge mit einschließt:


Leben und Tod, Sommer und Winter, wachen und schlafen, lachen und weinen, geben und nehmen,
arm und reich, jung und alt….

Wenn Sie kurz nachdenken, werden Ihnen bestimmt noch viele Beispiele einfallen für diese dualen Zustände,
deren bildlicher Ausdruck die Lemniskate ist.

Tarotkarte die Kraft mit Lemniskate Tarotkarte "Der Magier" mit Lemniskate

Nur, was hat das mit dem Erzählen zu tun - werden Sie jetzt fragen.

Vilma Mönkeberg, eine große Märchenerzählerin der Nachkriegszeit, brachte dieses Symbol mit den Märchen in Verbindung.(Mehr über den theoretischen Ansatz der Vilma Mönckeberg finden Sie im Forum Märchenzauber ) Lehren doch die Märchen, dass das Leben immer weitergeht und nur der Mensch glücklich wird, der in der Lage ist, das Leben mit seinen Gegensätzen anzunehmen. Mit dieser Einstellung findet der Held gestärkt  und gereift aus der Krise, die Krise ist nötig, damit er sein Glück finden kann und mit Zuversicht neue Herausforderungen bewältigen.

Das war der Grundgedanke bei der Entwicklung der Methode des Erzählens im Rhythmus der Lemniskate.

Der Erzähler erarbeitet sich den Text folgendermaßen:

Am Anfang steht die Textarbeit: Überlegungen zum Inhalt und den Figuren,  zu Dynamik und Sprachrhythmus des gewählten Märchens. Danach wird der Text im erarbeiteten Rhythmus nur noch laut gelesen: Mit einer Hand  schwingt  man nach genau vorgeschriebenen Regeln die Lemniskate zum Text – was mir ziemlich schwer fällt und viel Übung erfordert.
Ist dieser erste Erarbeitungspunkt erledigt, kommt die individuelle Ausgestaltung des Erzählgutes. 

 

 Es hat sich gezeigt, dass Texte, die mit dieser Methode erarbeitet und verinnerlicht  wurden, auch nach längeren Zeiträumen wieder mühelos abrufbar sind. Es wird damit begründet, dass durch das Schwingen der Lemniskarte der Schnittpunkt zwischen den beiden Hirnhälften  immer wieder, Sprechgruppe für Sprechgruppe, schwingend überkreuzt wird und somit beide Hirnhälften aktiviert sind.
 

Wie wirkt das nun auf den Hörer?

Natürlich wird beim Vortrag nicht mit der Hand die Lemniskate geschwungen und die Erarbeitungsform des Künstlers ist dem Hörer wohl ziemlich egal, er möchte gut unterhalten werden.
Erzählen im Rhythmus der Lemniskate ist aber auch für den Hörenden ein eigenes Erlebnis, weil der Erzähler , die Erzählerin hier seine, ihre eigene Persönlichkeit ganz zurücknimmt und nur der Geschichte dient. Dem Vortragenden kommt es nicht auf große Spezial-Effekte an, er verstellt seine Stimme nicht, arbeitet aber mit den Klangfarben der eigenen Stimme und mit dem Sprechrhythmus der Figuren. Der Hörende kann sich dadurch ganz auf das Erzählgut konzentrieren, ohne durch Nebensächlichkeiten abgelenkt zu werden, ist ganz in der Erzählung verfangen.

 

 

 

 

 

 

Nach oben